Sonntag, 13. November 2011

Todesursache: Orthopädie

Und dann hörte ich eine Stimme aus dem Chaos: "Lächele und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen." Ich lächelte und war froh und es kam schlimmer!

Wer den Beitrag: "Lebensgefahr durch Orthopädie" für übertrieben hält und meinte, dass sich derartige Informationen kaum steigern liessen, muss sich hier revidieren. Todesfälle durch Orthopädie sind real!

Charakteristikum der Orthopädie ist, dass jegliches Schmerzgeschehen der Wirbelsäule und der Körpergelenke als Behandlungsgegenstand angesehen wird. Das obwohl die 14 jährige Ausbildung zum Facharzt der Orthopädie in den ersten klinischen Semestern das gesamte und grundlegende Spektrum aller medizinischen Fachrichtungen beinhaltet und sich so erklären müsste, dass Beschwerden des Skeletto-muskulären Systems vielfältige Ursachen haben können. Durch dieses Basiswissen sollten Orthopäden, "hochkarätige" Fachleute in der Lage sein, zwischen den Symptomen verschiedenster Ursachen unterscheiden zu können. Sie tun es in der Regel jedoch nicht und fühlen sich berufen, für jegliche Beschwerden am Bewegungsapparat und der Muskulatur zuständig zu sein.

Die Geschichte
Der  etwa 65 jährige Patient beklagte sich über einen anfallsweise auftretenden Schmerz im obersten Teil seiner Brustwirbelsäule. Ein Schmerz, der bis in den Brustkorb ausstrahlte. Sein erster Gang war der zum Hausarzt, der mehrmals ein Elektrokardiogramm (EKG) machte. Untersuchungen, die aber keinerlei Hinweise auf das Vorliegen einer Herzerkrankung brachten.

Als nächstes konsultierte er einen Orthopäden, der ein Computertomogramm (Ct) der betroffenen Wirbelsäulenregion durchführen ließ. Dabei wurde eine Bandscheibenvorwölbung, eine Protrusion zwischen dem 3. und 4. Brustwirbel nachgewiesen und es erfolgte stationäre Aufnahme. Entzündungshemmer (Ibuprofen und Diclofenac) sowie Painkiller (Schmerzmittel) wurden hochdosiert eingesetzt. Darüber hinaus wurde eine sog. "konservative Therapie" begonnen: Wärmende Applikationen der Brustwirbelsäule in Kombination mit Massage am Ort der Beschwerden.

Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigte sich bereits in der ersten Nacht. Der Patient verstarb innerhalb kürzer Zeit unter schmerzhaftesten Beschwerden. Alle Reanimationsversuche blieben erfolglos  und der Bericht der Pathologie war eindeutig, er lautete:  "Lungenembolie". Blutgerinnsel hatten die Blutgefässe seiner Lunge torpediert und blockiert. Sauerstoffaufnahme war deshalb unmöglich und der Patient erstickte.

Was bisher nicht erwähnt wurde, war der Umstand, dass die Beschwerden dieses Patienten im Anschluss an eine lange Flugreise einsetzten. Der Gefahr dabei eine Thrombose  (eine Blutverklumpung in den Blutgefässen) zu erleiden ist dabei relativ groß. Üblicherweise wird diesem Geschehen mit speziellen Medikamenten vorgebeugt. Da war in diesem Fall nicht geschehen und keiner seiner Behandler hatte eine derartige Möglichkeit überhaupt in Betracht gezogen.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn Orthopäden betrachten erfahrungsgemäß alle Rückenbeschwerden zu ihrem Fachgebiet zugehörig und machen sich gewöhnlich keine Gedanken über die Ursachen ihrer Befunde. Im vorliegenden Fall waren das Bandscheibenvorwölbungen im Bereich des 3. und 4. Brustwirbels, dem Austrittsort aus dem Rückenmark von Spinalnerven, die die Lunge versorgen. Die Anwendung dieser aus dem Grundstudium stammenden Kenntnis hätte Leben retten können.

www.klaus-Radloff.com

Kommentare:

  1. Hi,

    habe auch schon einen Orthopäden erlebt, der mir den ersten Bandscheibevorfall verursacht hat.

    Seine Diagnose war eingeklemmter Nerv und er riet mir mich einmal im Internet umzusehen, da gäbe es schöne Übungen.

    So gesagt – so getan. Dann Bandscheibenvorfall. Mein Orthopäde hatte keine Zeit und schickte mich zum Hausarzt, der mir dann sogleich ein Mittel gegen Kopf- und Gliederschmerzen verschrieb.

    Zum Glück habe ich jetzt einen Arzt gefunden, der sein Handwerk versteht.

    Naja – lieber spät als zu spät.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Gundula
    Schön, dass es wieder gut geht! Tatsächlich wollte ich hier zum Ausdruck bringen, dass Rückenschmerzen bis hin zu Bandscheibenvorfällen "nur" Symptome, also Folge internistischer Erkrankungen sind.

    Danke für den Beitrag und viele Grüße
    Klaus

    AntwortenLöschen