Samstag, 9. Oktober 2010

Vorsicht Orthopädie: Therapie ohne Diagnose

Vor der Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt. Dieser Grundsatz dominiert ärztliches Handeln. Nur zur Ersten Hilfe sind Ausnahmen, z. B. zur Schmerzeindämmung vertretbar. Selbst unter Laien hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, Schmerz nicht als Ursache, sondern als Alarmsignal des Körpers auf Notsituationen und Krankheiten zu sehen. Durch wiederholte Schmerzabschaltung kann sich aber dessen Auslöser ungestört weiter entwickeln. Eindrücklich lässt sich das am Beispiel von Zahnschmerzen beobachten. Kariöse Zahnschäden, deren Schmerzen wiederholt mit Schmerzmitteln abgeschaltet werden, werden mit der Zeit größer und das Ziehen des Zahnes und dessen prothetische Versorgung immer wahrscheinlicher. Jeder seriöse Therapeut wird deshalb wiederholte Schmerzabschaltungen bei unbekannten Ursachen ablehnen.

Falsche Voraussetzungen bei orthopädischen Erkrankungen
Schmerzunterdrückungen sind bei orthopädischen Erkrankungen die Regel, von Prävention oder gar Heilung ist nicht Behandlungsziel und nicht die Rede. Erkrankungen der Wirbelsäule, wie Lumbalgien, Ischialgien, Lumbal- und Zervikalsyndromen, Abnutzungserscheinungen der Wirbelgelenke, bis hin zu Bandscheibenvorfällen, sowie Arthrosen der Körpergelenke werden nach immer gleichem Muster behandelt. Es werden Schmerzmittel, Entzündungshemmer, muskelentspannende Medikamente, durchblutungsfördernde Salben und evtl. Chiro- und Bewegungstherapie – oft wiederholt über lange Zeit - eingesetzt.

Die Ergebnisse bildgebender Untersuchungsverfahren, sind Grundlagen der Diagnosen ohne das hinterfragt wird, weshalb es zu den dokumentierten Schädigungen kommen konnte. Es wird vorausgesetzt, dass berufliche Überbeanspruchung, Haltungsfehler, Bewegungsmangel, Übergewicht, genetische Fehlanlagen etc. dafür verantwortlich sind. Das allerdings sind Ansichten, die wissenschaftlich nicht gesichert sind.

Diese nebulösen Begründungen enthalten entweder nicht beeinflussbare Faktoren, wie u. a. genetische Fehler. Damit können im Bedarfsfall therapeutische Misserfolge begründet und die Unwissenheit der Behandler verschleiert werden. Übergewichtige sind von vornherein immer selbst schuld an ihren Beschwerden und wenn das mit dem Abnehmen nicht klappt, erst recht. Auch damit werden therapeutische Unfähigkeiten vertuscht.

Das nächste Argument ist Bewegungsmangel als Grund für orthopädische Krankheiten. Deshalb werden reihenweise Betroffene in die Fitnessstudios geschickt. Funktioniert dieser Tipp nicht, wird das mit Übertreibung des Trainings begründet und schon wieder hat der Patient, aber nicht sein unfähiger Behandler, den „Schwarzen Peter“.

Bewegungssucht ist typisch für Amerikaner, die sich abends im Sterbebett Selbstvorwürfe machen, weil sie am Morgen nicht zum Joggen auf der Straße waren. Sofern ein Tier starke schmerzen hat, verkriecht es sich in einen Winkel und bleibt bis zum Eintritt der Besserung möglichst regungslos liegen. Nur Amerikaner und deren Nachahmer gehen in Gymnastikstudios.

Es dürfte nachvollziehbar sein, dass andere als die zumeist genannten Ursachen Auslöser für orthopädische Krankheitsbilder sind. Solange die aber nicht behandelt werden, bleibt es bei der unbegründeten Schmerztherapie in der Orthopädie.

Behandlungskosten
Die Kosten für Behandlungen orthopädischer Krankheitsbilder beliefen sich in Deutschland im Jahr 2002 auf 38 Milliarden Euro oder auf 1600 Euro pro Einwohner. Summen, die sich von Jahr zu Jahr steigern, weil die dabei praktizierten Behandlungen vergleichbar mit der eingangs erwähnten, symptomatischen Zahnschmerzbehandlung sind.

Denkbare Lösungen
Eine Begründung für diese These lässt sich aus den Erkenntnissen der segmentalen Innervation ableiten. Die Wirkung der Bindegewebsmassage ist damit begründet. Danach versorgen die aus dem Rückenmark, zwischen benachbarten Wirbeln austretenden Spinalnerven, halbgürtelförmig in ihrer jeweiligen Höhe, die Haut und die Muskulatur, sowie in der Tiefe innere Organe. Es wird in diesem Zusammenhang von einem Segment gesprochen. Sofern sich ein Organ in einem Reizzustand befindet, wirkt sich dessen Störung auf alle Anteile dieses Segments aus. Es kommt dort zur Ödembildung der Haut und zur Erhöhung der Muskelspannung.

Die von einem inneren Organ ausgelöste Steigerung der Muskelspannung im Bereich der Rückenmuskulatur bewirkt u.U. eine Fehlartikulation benachbarter Wirbelgelenke. Am deutlichsten lässt sich das bei einer Nierenkolik beobachten, bei der sich meist innerhalb von wenigen Minuten eine sichtbare Skoliose, eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule bildet. Weniger extrem als bei Koliken, wirken sich auch andere Reizerscheinungen der Niere aus. Auch hierbei kommt es, zu meist über Jahre anhaltende Fehlbewegungen und Bewegungsblockaden der Lendenwirbelsäule. Eine banale Bewegung reicht aus einen Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall auszulösen. Der von dieser Hernie betroffene Patient hat nun die Anwartschaft auf zwei Operationen: Eine beim orthopädischen Chirurgen und eine weitere, später beim Urologen. Die Krankenkassen zahlen für beide „Heilmaßnahmen“.

Da Lumbalgien aber auch Hernien der Bandscheiben orthopädische Krankheitsbilder sind, deren Ursachen in Fehlbelastungen etc. gesehen werden, kommt kaum jemand auf den Gedanken, dass es sich dabei nicht um eigenständige Krankheiten, sondern lediglich um symptomatische Auswirkungen innerer Organe handelt. Der gegenseitige Blick über die Gartenzäune ärztlicher Fachgebiete findet nicht statt.

Eingehend beschrieben wurden diese Fakten von mir mit mehr als 50 jähriger Berufserfahrung). Erkenntnisse, die in Quellschriften der alten chinesischen Medizin sinngemäß bereits vor langer Zeit beschrieben wurden.

Klaus Radloff

Kommentare:

  1. Meiner Frau wurde zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls eine Injektion direkt in den Spinalnerv verabreicht.

    Dazu musste vorher eine Kontrastmittel injektion verabreicht werden.

    An diesem Kontrastmittel wäre sie auf dem nach Hause Weg fast gestorben.

    So viel Zeit auf Kontrastmittelunverträglichkeit zu prüfen hatte der Medizinunternehmer nicht, die Bank wartet auf ihre Zinsen.

    Die Schmerzen des Vorfalls bekommen wir langsam mit Wirbelsäulen Qigong in den Griff.

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  2. Lieber M.L.
    Der Vorfall mit Ihrer Frau ist leider kein Einzelfall. Derartige "Therapien" sind jedoch nicht notwendig, wenn versucht wird die Frage zu beantworten, weshalb es zum Prolaps kam. Zumeist handelt es sich meiner Erfahrung nach um innere Organe, die auf dem spinalnervlichen Weg ihre Störungen in die Wirbelsäule übertragen.

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